Antwort von Paul Schurr, Zitat:
“Zu Deiner Frage im Blog, ob bei meiner Idee des Harmonismus die Liebe nicht zu kurz kommt, möcht ich noch anmerken:
Nein, sie kommt nicht zu kurz, ganz im Gegenteil.
Ich beschreibe sie sogar als das höchste Ziel des Harmonismus, weil die Liebe wohl die “idealste Form” (so würde Plato sagen) des Friedens ist, den der Mensch zwischen sich und seiner Umwelt erreichen kann – die höchste Form der Harmonie zwischen den Dingen.
Ich denke, ein Frieden, der so tief geht, dass er die Qualität von “Liebe” erreicht, dürfte wohl zum beständigsten zählen was man erreichen kann.
Was man liebt (Liebe im Sinne Platons/der Philosophie), wird man niemals zu verletzen versuchen.
In der Realität gelingt uns das meist nur in Einzefällen – weil natürlich viele Aspekte eine Rolle spielen, zumindest wenn man von der “Liebe” im klassischen Sinn spricht – aber zumindest das Streben danach scheint mir ein guter Gedanke zu sein.”
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Wahrlich ’schön’, aber kommt bei deiner Vorstellung vom Harmonismus nicht die “Liebe” zu kurz, lieber Paul?!
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Weil alles zusammengehört:
“Am Anfang war die Harmonie…”, ein inneres und äußeres Gleichgewicht zwischen allem Leben, allen (Natur-) Dingen der Erde. Und das verlangen danach war mit der Seele verwurzelt, weil erst eine Harmonie zwischen den Dingen letztendlich eine persönliche Harmonie mit sich selbst ermöglicht. Im Weiteren wird in diesem Zusammenhang auch von einem Universellen Frieden die Rede sein, der aus dem Frieden mit der Umwelt und dem eigenen Ich resultiert.
Die Harmonie war. Sie war Garantie für die Funktion des Makrokosmos, der sich zusammensetzt aus einer unglaublichen Vielzahl einzelner Bestandteile. Und weil sich jeder Mikrokosmus der Ganzheit unterordnete, blieb dieses Gleichgewicht bestehen. Das komplizierte und empfindliche System steuerte sich selbst von innen heraus. Durch Anpassen, Aussterben und Hervorbringen neuer Lebensformen und – gemeinschaften wurden unvermeidliche Störungen früher oder später ausgeglichen. Die Evolution ist im Grunde nichts anderes als Ausdruck dieses, aufgrund seiner empfindlichen Komplexität immer wieder notwendigen Heilungsprozesses zum Erhalt des Gleichgewichtes zwischen den Dingen. Alles ist ständig in Bewegung.
Darin liegt vielleicht das wirklich “göttliche” der Schöpfung, dass dieses Zusammenspiel bislang funktionierte – trotz, oder gerade wegen der Vielzahl der einzelnen und in sich einzigartigen Bestandteile, die diese Schöpfung bilden. Es handelt sich um ein Gleichgewicht zwischen den organischen und sogar den elementären Kräften der Erde (z.B. die bewiesene Notwendigkeit von Buschfeuern zum Erhalt bestimmter Pflanzenarten usw.), zwischen dem einzelnen Lebewesen und seiner Umgebung; ein Miteinander der Natur, obwohl es auf dem Prinzip von “Fressen und Gefressen werden” basiert. Doch umschreibt diese Formel – so brutal sie auch anmuten mag – lediglich die garantie des Fortbestandes des Einzelnen und somit des Ganzen. “Fressen” steht für den legitimen, natürlichen Egoismus des Einzelnen, der dessen notwendigen Selbsterhalt sichert. “Gefressen werden” aber ist das Symbol für die ständige Unterordnung des Einzelnen gegenüber dem Ganzen.
Das Einzelne ist wichtig für die anderen, nicht für sich selbst. Dies gilt auch für den Menschen. Wir sind wichtig, weil wir gebraucht werden, weil wir für die anderen, für das Ganze unseren Teil beizutragen haben. Die Wichtigkeit für sich selbst stößt dort an ihre Grenze, wo sie nicht mehr ihre Pflicht der Wichtigkeit für das Ganze erfüllt bzw. sie beschneidet. Das Einzelne kann ohne das Ganze nicht existieren – das Ganze nicht ohne das Einzelne. Deswegen zog die Freiheit des Mikrokosmos sich ihre eigenen Grenzen zugunsten des Erhaltes der Ganzheit, deswegen ließ die Schöpfung (der Makrokosmos) stets Raum für neue Lebensformen, mögen sie noch so unscheinbar sein, noch so kurzlebig und beschränkt in ihrem Wirken.
Auch der Mensch war ursprünglich ein Teil dieser großen Symbiose, denn auch er war (und ist noch immer) in erster Linie ein Naturding – nicht mehr und nicht weniger. Er diente und wurde bedient von der Vielfalt des Ganzen, er nahm Anteil am Prinzip von “Geben und Nehmen”, von “Fressen und Gefressen werden”. Doch als er im Zuge seiner persönlichen Evolution die eigenen Möglichkeiten und seine (scheinbare) “Größe” erkannte, hat er sich der Gemeinschaft nicht mehr länger untergeordnet. Der Begriff “Überlegenheit” betrat die Bühne der Welt. Weil der Mensch von allen Freiheiten die weiträumigste besitzt (die, die ihn über die Stufe des reinen Sinnwesens erhebt), konnte er sich plötzlich über die anderen Dinge stellen, denen er vorher nur Teil war.
Vielleicht beantwortet das Bemühen nach Rückkehr in das Gleichgewicht der Dinge und zu dem damit verbundenen Universellen Frieden jede Sinnfrage des Lebens. Zumindest aber öffnet der harmonistische Weg viele Türen zu Werten, welche (selbst nach traditionellen Moralverständnissen) sehr hoch angesehen sind: Gewaltlosigkeit, Toleranz, Ehrlichkeit, Friedfertigkeit usw. Die harmonistische Idee muss nicht, doch vermag auch den Glauben an ein Göttlichkeit – wie auch immer man sie nennt – über und am Ende des Ganzen zu bestärken; sie verlangt Sensibilität für unsere Umwelt und läßt uns weniger egozentrisch denken, sie befriedet und gibt dem Einzelnen hoffentlich jene Zufriedenheit, ohne die im Weiteren “Glück” nicht empfunden werden kann. Sie verlangt Wachsamkeit und Gefühl, doch keine aufgezwungenen Regeln und Pflichten von außen; sie darf in uns sein, nicht umgekehrt.
Allein über die Nützlichkeit der Dinge und die damit verbundene Notwendigkeit ihres Erhalts ist die Rückkehr in die Harmonie nicht möglich. Die Geschichte beweist es. Vernunft und Verstand weisen uns zwar auf jene Notwendigkeit hin und je weiter der Mensch die rein funktionale Welt des Makrokosmos mit Hilfe seiner Wissenschaften ergründet, desto offensichtlicher wird sie ihm. Und er ignoriert das Wissen um die Nützlichkeit/Notwendigkeit der Dinge keineswegs. Auf nationalen wie auch internationalen Ebenen bemüht man sich um Frieden zwischen den Völkern, um Umweltschutz und ein Miteinander. Doch der Mensch tut es nicht in dem Maße, das nötig ist, um erfolgreich zu sein.
Umso dringlicher ist ein zweiter Weg, um eine Wiederherstellung der Harmonie zwischen den Dingen zu erreichen. Ihn beschwören Philosophen bereits seit dem Altertum – es ist der ästhetische Weg, der über das Reich der Schönheit führt. So schrieb Friedrich Schiller:
“Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Kultur, den Menschen auch schon in seinem bloß physischen Leben der Form zu unterwerfen und ihn, soweit das Reich der Schönheit nur immer reichen kann, ästhetisch zu machen, weil nur aus dem ästhetischen, nicht aber aus dem physischen Zustand der moralische sich entwisckeln kann.”
Das Erkennen, Begreifen und Würdigen (Erhalten) des Schönen vermag dazu führen, daß der Menschen ein ästhetisch begründetes Moralverständnis entwickelt, welches das Bemühen um Erhalt der Dinge allein schon ob ihrer Schönheit zur Folge hat. Dieses Moralverständnis ist aber nicht von außen aufgezwungen sondern wächst von innen heraus. Daher wird es tief mit der Seele des Einzelnen verwurzelt bleiben und standhaft gegenüber gesellschaftlichen, politischen oder auch religiösen Ideologien. Der englische Philosoph Herbert Read betonte 1942 gerade diesen Aspekt der ästhetischen Erziehung in seinem Aufsatz “Erziehung zur Kunst ist Erziehung zum Frieden”. Im Angesicht der Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges sah er alle herkömmlichen Moralvorstellungen und Erzeihungsmodelle als gescheitert, dass er den völligen Verzicht auf herkömmliche Erziehungsmethoden forderte.
Zum Autor Paul Schurr:
Paul Schurr wurde am 13.3.1965 in Augsburg, Bayern, geboren. Schon als Kind liebte er es zu malen und zeichnen, später begann er die Abenteuerromane von Jules Verne zu verschlingen. Dieser Lektüre ist wohl seine große Reiselust zu verdanken, die er mit 18 endlich verwirklichen konnte und in den Jahren danach, wann immer es möglich war, auslebte. Neuseeland, Kanada und Afrika hat er inzwischen schon öfter besucht, aber auch Australien, die USA und natürlich Europa immer wieder bereist. (Nach Abitur und Kunststudium in seiner Heimatstadt – trotz des Fernwehs hat es Schurr nie danach verlangt woanders zu leben – begann er außerdem mit einer Teilzeitbeschäftigung im Reisegewerbe. Die eröffnete ihm einerseits mehr Reisemöglichkeiten und sichert ihm andererseits bis heute ein geregeltes Einkommen, das ihm nur als freischaffender Künstler und Philosoph wohl nicht garantiert wäre.)
1993 brach Schurr sein Kunststudium ab und arbeitet seither leidenschaftlich als Maler (www.pauldermaler.de.vu) und Autor (www.paulderdichter.de.vu).
Die harmonistische Idee formulierte sich wohl unterbewusst in seinen Jugendjahren und fand 1991 während einer fast dreimonatigen Reise nach Neuseeland, Australien und in die USA zur abschließenden Formulierung. Sowohl in seinen Reisenotizen als auch in den Gesprächen mit seinem Begleiter Bernhard Liebl fügten sich all die Wichtigkeiten und Überlegungen des damals 26jährigen zu einem philosophischen Gesamtbild zusammen.
1992 referierte Paul erstmals an der Universität Augsburg über den Harmonismus, es folgte 1998 die schrifliche Zusammenfassung in dem autobiographischen Roman “Waitomo”, der sich jene Reise zum Rahmen nimmt für die philosophischen Gedankengänge. Vor allem aber versucht Paul sein Leben im harmonistischen Sinn zu führen.
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Die Harmonie (griech. harmonia = (Zusammen)fügung, Silbe ar oder har: indogerman. Herk. = Vereinigung von Entgegengesetztem zu einem Ganzen) bezeichnet:
- allgemein die Übereinstimmung, Einklang, Eintracht, Ebenmaß;
- in der Kunst und der Ästhetik siehe Harmonie (Kunst);
- speziell in der Malerei siehe Harmonie (Malerei);
- speziell in der Musik einen Teilbereich der Harmonik, speziell verwendet man “Harmonie” im Sinne von Akkord; als “harmonisch” werden Akkorde mit Harmonischen bzw. Obertönen des Grundtons empfunden;
- in der zwischenmenschlichen Kommunikation ein Gleichklang der Gedanken und Gefühle.
Der Begriff “Harmonie” wird in der Regel dort verwendet, wo man neben einer bestimmten Regelmäßigkeit in der Anordnung einzelner Objekte bzw. ihrer Teile noch einen Sinn, eine Wertbezogenheit anzumerken glaubt.
(Quelle: Wikipedia.de)
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In diesem Blog möchten wir der Harmonie frönen und damit den Begriff “Harmonismus” genauer definieren. Wer sich uns harmonisch anschließen möchte, ist herzlich eingeladen diesen Blog mit Leben zu füllen!
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